Kundenrezension

Kundenrezension aus Deutschland 🇩🇪 am 23. August 2012
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Einleitung
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Westeros...die 7 Königlande, das Land jenseits der Mauer und die Eiseninseln.
Wenn man der Überlieferung glauben kann...so waren sich die Fürsten&Könige von Westeros seit ewigen Zeiten nur über eines einig...
Alles Gesindel..menschlich oder übernatürlich, daß sich nicht einfügen konnte und hinter die Mauer getrieben worden war...hatte auch dort zu bleiben und zu diesem Zweck gründeten&unterstützen alle gemeinsam die politsch neutrale Nachtwache...den Reichen zum Schild.

Über alles andere..wurde herzhaft gestritten..in Wort&Tat, in wechselnder Konstelation..bis...bis..diese fremden Bettler an den Küsten landeten und die Herrschaft beanspruchten.
Sie waren nur wenige, sie waren halbverhungert und schlecht ausgerüstet...aber..sie hatten Drachen und einer nach dem anderen...beugten die Lords von Westeros ihr Knie oder wurden in einem Sturm aus Feuer und Blut vernichtet.

Die neuen Herscher..die Drachenfürsten...die Targaryen wurden zu unangefochteten Herrschern....doch...Macht verdirbt, absolute Macht verdirbt absolut...und so fühlten sie sich immer mehr ihrem Wappentier nahe, kamen zu der Überzeugung nicht den Gesetzen der Menschen oder Götter zu unterliegen...und um ihr Blut rein zu halten "Der Drache paart sich nicht mit Schafen" heirateten sie fast nur noch untereinander...die eigenen Geschwister...

So treten Wahnsinn und Mißbildung immer häufiger bei ihnen auf, ihre großen Drachen verschwiedenen...irgendwie, die Legenden sind hier unklar, neue werden immer seltener geboren und sind meist mißgebildet...
Stück für Stück schwindet Macht der königlichen Linie und die Unterworfenen Fürsten beginnen sich zu erinnern...Alter Feindschaften, altem Unrecht das ihren Vorfahren zugefügt wurde...es schwelt wieder im Lande Westeros..

In diesem kritischen Augenblick....wo jeder König Schwierigkeiten hätte den Frieden zu wahren..sitzt ein Wahnsinniger auf dem Thron..paranoid, verängstigt, grausam...mit kindlicher Freude am Leid anderer...der willkürlich Vasallen zu Tode foltern, Kinder entführen,... läßt...das Feuer...es brennt

Unter der Führung des charismatischen aber zügellosen Robort Baratheon, welcher für die Freiheit und das Leben seiner Liebe kämpft, der taktischen Leitung der Starks und Arryns...erheben sich die Unzufriedenen...und das Feuer wird zu einem Inferno...aus welchem die Rebellen siegreich hervorgehen und doch verlieren was ihnen am Herzen liegt.

Die Jahre vergehen...Rauch und Asche legen sich...
Robert Baratheon ist König...und oft haßt er es...Verwaltung/Intrigen/höfische Regeln...wie soll man Feinde bekämpfen die man nicht sehen kann...und da ist noch die Trauer...um seine Liebe...er geht allem so gut als möglich aus dem Weg, säuft, hurt und jagt..soviel er kann...doch als seine treue Rechte Hand plötzlich stirbt...fühlt er...er muß alte Freundschaften erneuern, Freunde an den Hof holen...seinen besten Freund NED Stark

Cersei Lannister ist Königen...es ist ihr Traum&Albtraum zugleich...Macht&Ansehen...aber auch...ihren "Helden" Robert...der all ihre romantischen Mädchenträume zerstörte als er sie in den ersten Jahren trunken besteigt und ihr den Namen seiner verstorben Liebe ins Ohr stöhnte...und da ist dann noch...

doch es soll ja nicht zuviel verraten werden..denn an dieser Stelle beginnt die Saga
"Das Spiel um den Thron" oder "Das Lied von Eis und Feuer"

Der unwillige König Robert, der im Herzen noch ein 17jähriger fahrender Ritter ist, will seinen alten Kampfgefährten Ned Stark an seine Seite holen um ihn zu seiner Rechte Hand zu machen, dem Stellvereter des Königs.
Genau das letzte was sich die Königin wünscht...den Bruder ihrer toten Nebenbuhlerin als stete, lebende Erinnerung an den Hof zu rufen...und da sind dann noch die Interessen des Hauses Lannister...das dieses einflußreiche Amt gerne selbst besetzen möchte.
Ned Stark, von einem starken Pflichtgefühl getrieben...entscheidet die "Ehrung", wenn auch unwillig, anzunehmen...obwohl eines seiner Kinder bereits in Todesgefahr schwebt...seine Ernennung die Familie Stark zu zerreisen droht und ihm Hinweise vorliegen, daß die letzte Hand ermordet wurde.
Immer schneller wird die Familie Stark in den Strudel aus Intrigen gerissen und Ned Stark muß bald erkennen, daß Ehre und ritterlicher Kodex...ihm bei den Schattenkriegen am könglichen Hof eher hinderlich als hilfreich sind...wird er sich von diesen Werten trennen können/wollen...wird er das Schicksal der letzten Hand teilen...
aber warum wurde sie ermordet...es schwelt wieder im Lande Westeros...

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Bewertung
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Positiv
-Anschaulicher, flüssig zu lesender Schreibstil der einen regelrecht in die Geschichte hineinzieht
-detailerte, glaubhafte Welt
-überwiegend tiefgängige,glaubhafte, sich entwickelnde Charaktere
-Vielschichtiger Haupterzählstrang
-Geschickter Einsatz der Erzählerperspektiven
-In Band 1-6 gelingt es ihm mit der "Geschichte in der Geschichte"-Methode
Tiefgang und Detailreichtum zu erzeugen, einem selbst Nebencharaktere sehr anschaulich zu machen aber
dennoch den übergeordeten Erzählstrang um "das große Spiel um den Thron" ständig weiterzuentwickeln.
-Bis Band 7 hat man das Gefühl am Schicksal einer Nation unmittelbar teilzunehmen
-Bis Band 7 weitgehend zeitlich stimmig Entwicklung der Erzählstränge

Negativ
-Ab Band 7 zersplittert die Geschichte immer mehr
-Ab Band 7 werden die Erzählstränge oft stoßweise weitergeführt und die Zeitlinie ist nicht mehr stimmig
-Ab Band 7 werden viele neue "Knackpunkte" hinzufügt während alte Spannungspunkte und ungelöste Fragen
offen bleiben
-Ab Band 7 tritt vermehrt eine seltsame Divergenz zwischen den "Geschichten" auf, da werden zb zum x.mal
Kapitelweise ereignislose Reisen durch das geschundende Land oder die Steppe beschrieben, 90% ist Wiederholung
aus früheren ähnlichen Kapiteln, es passiert nichts, keine Handlung, keine nennenswerte Interaktion zwischen den
Reisenden den, keine erwähnenswerte Charakterentwicklung...während bedeutsame Ereignisse rund um
"Das Spiel um den Thron" recht knapp zusammengefaßt werden oder eben alte, noch offene Spannungspunkte in
Nebensätzen mal kurz erwähnt werden...letzteres habe ich als besonders lästig empfunden...kurzes Innehalten
mag ja den Spannungsbogen durchaus steigern aber wenn sich über mehrere Bücher nichts tut..."leiert es nur die
Sehne aus".
-Der ursprüngliche Haupterzählstrang "Das Spiel um den Thron von Westeros" teilt sich ab dem 7. Band in mehrere
weitgehenst eigenständige Erzählstränge die erst wieder im 10 Band ansatzweise verknüpft werden.
Insgesamt wirkt die Geschichte dadurch schwerfällig und gestreckt, man hat das Gefühl verschiedene Romanserien
paralell zu lesen...immer je 1-2 Kapitel der Serie A bevor man 1-2 Kapitel der Serie B, dann C liest...
Auch wenn einzelne Kapitel oder Erzähltstränge für sich genommen sehr spannend sind...ist es in der Gesamtheit
träge

Besonderheiten der deutschen Ausgabe
-Teilung der Originalbände durch den deutschen Verlag
Zur Umgehung der Buchpreisbindung sind die Originalbände in der deutschen Ausgabe geteilt, meist aus 1 mach 2.
Warum erschließt sich von selbst... so kostet 1 GEBUNDENER Originalband 15,- EUR, das Softcover 6,-
EUR...während der halbe deutsche Band 15,- EUR im Softcover kostet..also im Vergleich zum vollständigen
Originalband im Softcover gut 5mal soviel.
Neben dem erhöhten Preis schlägt die Teilung natürlich auch mit einem verschlechterten Lesespaß nieder weil
die Geschichte, untergeordnete Erzählstränge zusätzlich zerrissen werden.
-Übersetzung
Schon in den ersten Bänden tauschte Kritik an der deutschen Übersetzung auf, waren es zunächst nur Kleinigkeiten
wie Verwechslungen(Balliste statt Katapult,etc....) oder ein vergessenes Wort gab es in den späteren Bänden
teils auffällige unangenehme Fehler.
Mit dem 7. Band wurde dann entschieden alles vollständig einzudeutschen, mit Königsturm statt Kings Tower dürfte
wohl kaum einer Probleme gehabt haben aber die Umbenunng/veränderte Schreibweise diverser Eigennamen wie
Lannister zu Lennister dürfte manchem "Leser vom 1.Band" sauer aufgestoßen sein...zum einen natürlich der
Gewöhnung wegen, zum anderen weil bei manchen Namen der Flair durch die Eindeutschung verloren geht,
insbesondere wenn er ohnehin schon aus dem Altenglischen oder gar anderen Sprachen entlehnt war(zb. Moat Cailin
zu Maidengraben)...
Zu guter Letzt könnte man sich dann noch streiten ob die Mehrheit der Leser mit Hohenehr statt Eyrie, Fried
statt Keep und Motte statt motte soviel mehr anfangen konnte

Fazit:
Von den Bänden 1-6 war ich begeistert und würde sie uneingeschränkt empfehlen...sogar in der deutschen Ausgabe, falls man dem englischen nicht ausreichend mächtig ist.

Die Bände 7-10 sind von durchwachsener Qualität und obwohl sie für sich genommen durchaus nicht schlecht sind vermitteln sie über weite Strecken mehr das Gefühl eine Sammlung Kurzgeschichten dazustellen als Teil einer fortlaufenden Saga zu sein, dieses Gefühl wird durch die "Teilungs-Politk" der deutschen Verlage noch verstärkt
und ich würde jedem empfehlen die Bücher im englischen Original zu kaufen oder es sein zu lassen.

Obwohl, gefühlt, die Tiefen in den Bänden 7-10 die Höhen überwogen haben muß ich zugeben, daß mich die Neugier weiterhin gepackt hält und daher werde ich den Folgeband wohl noch kaufen...wenn auch diesmal im englischen Original.
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