Kundenrezension

Kundenrezension aus Deutschland 🇩🇪 am 16. April 2022
Die Befürchtungen, es könnte sich um eine dieser Serien handeln die 1000 Haken schlägt, wo letztlich nichts Sinn macht, usw. - hat sich gottseidank nicht bestätigt. Viele der verwobenen Handlungsstränge und Geschichten werden sinnvoll und effektiv behandelt und weiter geführt.

Am Besten ist die Serie immer dann, wenn in langsamen Einstellungen sich das Geschehen nur auf den Gesichtern wiederspiegelt.

Hervorragend fand ich:
- Schauspieler
- Cinematographie
- Schnitt
- Musik

Am Ende wurde zwar wieder einiges offen gelassen für die mögliche 2.Staffe, und so manches mal lässt die Serie 5e gerade sein was Realismus und Plausibilität angeht - warum sind in einer verlassenen Rollschuhbahn noch die Neonlichter an?

Inspiration hat man sich offensichtlich geholt bei
- Twin Peaks / Blue Velvet
- ein True Grit/No Country For Old Men-Ansatz zum Thema "Western"
- Ein bisschen "Magnolia", allerdings weniger quälerisch - mehr von Plot/Weltbild her
- Teilweise (leider) auch Wild at Heart/Kill Bill. Hier ist einiges enthalten, was einen ganz anderen Ton hat und nicht zum Rest zu passen scheint – menschlich komplett unglaubwürdig und extrem, besonders im Handlungsstrang um Royal und Autumn. Während die Tragik um Royal's Familie einem oft echt ans Herz geht, wird es hier unvermittelt tarantinomäßig gewaltlüstern – absolut unpassend.

Einige der Dinge, die passieren, scheinen das Thema "Spiritualitäten im amerikanischen Hinterland" oder Themen wie "der Alte Westen trifft auf die jungen Erwachsenen der Gegenwart" zu betreffen und wirken was das angeht -fast- authentisch.
Anderes wirkt doch stark wie Clichees, die Produzenten aus L.A. sich ausgedacht haben/Sachen, die man gern so sehen möchte. Die Story bspw. um die lesbische Native-American Polizistin - kann das wirklich so stimmen, oder ist das nur ein Hollywood-Traumprodukt?

Unterm Strich fand ich es schon gute, atmosphärische Unterhaltung.
Oft ist man "im Moment", ganz bei den Figuren und dem Geschehen dabei, und kann nicht vorhersehen wie das nun weiter geht.

Manchmal wird es extrem spannend und nervenaufreibend.
Wer gern Cowboys in quasi-alttestamentarischen Tragödien sehen will (von Kain+Abel bis Hiob usw.) ist hier jedenfalls richtig.
In den letzten Folgen kommen dann mehr die Tarantinofans auf ihre Kosten - das fand ich recht unpassend.
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