Kundenrezension

Kundenrezension aus Deutschland 🇩🇪 am 6. Dezember 2022
Charlie, ein junger Mann, der eine Art Schwur zur guten Tat ablegt…. - nicht ohne Grund. Denn nach dem frühen Unfalltod seiner Mutter (Charlie ist erst sieben Jahre alt), gleitet sein untröstlicher Vater ab in die Alkoholsucht, verliert seine Stellung und gerät ins gesellschaftliche Aus. Doch halt: Fast wie ein Wunder erscheint es, dass er u.a. durch die Hilfe einer Gruppe von Anonymen Alkoholikern und unter der tatkräftigen Mitwirkung seines Sohnes Charlie aufhört zu trinken.
Eines Tages rettet Charlie einem von der Leiter gestürzten Mann, Mr. Bowditch, das Leben. Nicht nur um ihn, sondern auch dessen Hündin Radar kümmert sich Charlie fortan aufopferungsvoll und pflichtbewusst. Dem Leser ist klar, dass man hier auf eine Art Heldenreise geführt wird, denn das, was Charlie neben der Schule und neben alldem, was er auch für seinen Vater tut, ist mehr als üblich. Das bekommt auch landesweit die Presse mit und Charlies gute Tat bleibt nicht unbemerkt.
Natürlich wäre ein Stephen-King-Roman nicht komplett ohne die ganz besonderen Abweichungen aus der - sagen wir mal - für normale Menschen wahrnehmbaren Welt. Diese Wendungen werden aber über viele Seiten weg nur sehr dezent und sich ganz allmählich einschleichend erzählt. Zunächst ist alles einfach nur wunderbar erzählt und entwickelt eine Eigendynamik aus mehr oder weniger alltäglichen Situationen heraus. Es ist hier nicht einmal so, dass sich „das Grauen auf leisen Sohlen“ nähert. Latent ist immer eine Gefahr vorhanden. Aber wo in unserer Alltagsrealität ist das denn nicht so?…
Es dauert sehr lange, bis die andere Realitätsebene erreicht wird, die Welt, deren Zugang der inzwischen verstorbene Mr. Bowditch entdeckt hatte. Charlie stellt sich dieser Welt mitsamt ihren Gefahren. Und warum? Etwa um Reichtum und Gold anzuhäufen, wie man aufgrund der entdeckten wertvollen Goldfunde vermuten könnte…? Nein: Er tut es, um Radar, der Hündin, das Leben zu retten, denn in der anderen Welt gibt es die Möglichkeit der rückwärtsdrehenden Sonnenuhr, die Lebewesen in einen jüngeren Zustand versetzen kann. Also auch einen Arthrithisgeplagten Hund in ein früheres, gesundes Leben zurückbringen kann.
Die dazu nötigen märchenhaft angelegten Erzählschritte sind voll mit Figuren aller Skurillitäten und Absonderlichkeiten. Alles en detail beschrieben und mit Akribie ausgeführt. Ein Fantasyfilm-Regisseur wird seine helle Freude daran haben. Gerade dann jedoch, wenn es zur Sache geht, wenn Blut spritzt und Menschen grau werden, ihre Sprache oder (Prinzessin Leah!) gar ihren Mund verlieren, dann wird mir persönlich die beschriebene Absonderlichkeit der Figuren fast etwas zuviel. Stephen King ist ein solch großartiger Meister des Erzählens! Mir würden seine Andeutungen genügen.
Zum Ende wird hier nichts verraten. Gelingt die „gute Tat“? Wohin entwickelt sich der Märchenheld Charlie`Besteht er seine Prüfungen?
Ganz abgesehen von der wahnsinnigen Spannung gelingt es King wir auch schon in seinen früheren Büchern, einen aktuellen Einblick in die amerikanische Gesellschaft zu geben. Besonders viel erfährt man hier in diesem Buch über das amerikanische Versicherungswesen, den Ablauf in Schulen und auch von Krankenhausbehandlungen. Die Recherchen müssen äußerst umfangreich gewesne sein! Und dann erst di Namen, welche dem Autor einfallen!!! Zu jedem einzelnen gäbe es etwas zu sagen…. Tiefgründig und überlegt bis ins Letzte! Kings Meisterwerk!!!
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